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Rede von Frau Generalkonsulin Gao Yanping anlässlich des Empfangs zu ihrem Amtsantritt und zum chinesischen Neujahr
2016/02/05
 

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Ernst Stocker,

sehr geehrter Herr Vize-Kantonsratspräsident Dr. Rolf Steiner,

sehr geehrter Herr Präsident Dr. Thomas Wagner,

verehrte Kolleginnen und Kollegen vom konsularischen Korps,

liebe Landsleute,

meine Damen und Herren,

guten Abend! Ich freue mich sehr, heute mit Ihnen gemeinsam das chinesische Neujahr nach dem Mondkalender zu feiern. Es ist traditionellerweise das wichtigste Fest überhaupt für uns Chinesen. Das Jahr 2016 steht im Zeichen des Affen. In der traditionellen chinesischen Kultur wird der Affe als ein Symbol für Intelligenz und Glück angesehen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Ihren Familien viel Glück, viele intelligente Lichtblicke und natürlich beste Gesundheit im Jahr des Affen!

Vor 20 Tagen bin ich in Zürich eingetroffen. Obwohl ich zuvor schon mehrmals in der Schweiz gewesen bin, waren das nur kurze Besuche und sie ermöglichten mir höchstens flüchtige Einblicke in Ihr Land. Nun wird es mir möglich sein, die Schönheit der Schweiz nach und nach in vollem Umfang zu entdecken. Ich bin glücklich, in der grössten Stadt der Schweiz, und zudem einem der bekanntesten internationalen Finanzzentren, leben und arbeiten zu können. Es gibt mir auch die Chance, die Schweizer Bevölkerung in ihrer Vielfalt besser kennenzulernen. Und ich hoffe sehr, dass ich persönlich dazu beitragen kann, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und China zu stärken.

Meine Damen und Herren!

In den Augen der Chinesinnen und Chinesen ist die Schweiz nicht nur ein Land mit wunderschönen Landschaften. Die Schweiz ist auch bekannt für ihre hochentwickelte Wirtschaft, ihren starken Finanzsektor und ihre grosse Innovationsfähigheit. Das Schweizer Volk gilt nicht nur als fleissig, sondern auch als ein Volk, bei dem Bildung, Natur und Frieden eine hohe Wertschätzung geniessen. Dieses Land ist für China ein wichtiger Partner in Europa. Und das hat auch historische Gründe. Die Schweiz gehört zu den ersten westlichen Ländern, welche die neue Volksrepublik China anerkannt haben. Der Schweizer Schindler-Konzern war 1980 das erste ausländische Unternehmen, das mit einer chinesischen Firma ein Joint Venture einging. Auch den Marktwirtschaftsstatus Chinas hat die Schweiz früher als andere westliche Länder anerkannt. Und die Schweiz ist der erste kontinentaleuropäische Staat, der mit China ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. In den letzten paar Jahren haben sich die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sogar noch intensiviert. Ministerpräsident Li Keqiang besuchte die Schweiz innerhalb kurzer Zeit zwei Mal, im Mai 2013 und im Januar 2015. Dies trug dazu bei, das gegenseitige politische Vertrauen zu stärken und die bilateralen Beziehungen zu vertiefen. Im vergangenen Jahr hat die Schweiz positiv auf Chinas «Ein Gürtel, eine Strasse»-Initiative reagiert. Ausserdem hat sie sich schon früh aktiv an der Asia Infrastructure Investment Bank beteiligt – eine weitere Grundlage für die Vertiefung der praktischen Zusammenarbeit in Zukunft. Zu Beginn dieses Jahres hat die China Construction Bank eine Niederlassung als offizielles RMB-Clearing-Center in Zürich eröffnet. Somit ist die Zusammenarbeit beider Länder auch im Finanzbereich in eine neue Dimension getreten. Vor kurzem habe ich unseren Vize-Staatspräsidenten Li Yuanchao bei seiner Teilnahme am WEF 2016 in Davos begleitet. Das erfolgreiche Treffen zwischen Vizepräsidenten Li Yuanchao und Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann hat eine weitere freundschaftliche Basis für unsere künftigen bilateralen Beziehungen geschaffen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

An diesem unseren Festtag möchte ich Ihnen auch kurz ein paar Stichworte und Zahlen zu den aktuellen Entwicklungen in China geben. Ich weiss nämlich, dass alle heutigen Gäste ohne Ausnahme sich um eine friedliche Entwicklung unseres Landes sorgen und dazu auch schon beigetragen haben und weiterhin beitragen möchten. Im Rahmen der langsamen Erholung der Weltwirtschaft wuchs Chinas Wirtschaft im letzten Jahr um 6,9%. Diese Zahl ist nicht unwesentlich, da Chinas Wirtschaftvolumen inzwischen mehr als 10 Billionen US Dollar beträgt. Ein Anstieg von 6,9% bedeutet also 500 Milliarden Dollar. Das entspricht dem gesamten Bruttoinlandprodukt eines mittelgrossen europäischen Landes. Somit trägt China mehr als 25% zum gesamten globalen Wirtschaftswachstum bei und ist immer noch die entscheidende Entwicklungslokomotive für die Weltwirtschaft.

Selbstverständlich ist es unbestritten, dass auch Chinas Wirtschaft vor grossen Herausforderungen steht. Als eine der grössten Handelsnationen ist Chinas Wirtschaft eng mit der Weltwirtschaft verbunden. Zur Zeit hinkt die Nachfrage auf der gesamten Welt dem Angebot grösstenteils hinterher. Auf den internationalen Märkten verzeichnen die Grosshandelspreise einen starken Rückgang. In China sind die Produktions- und Versorgungsstrukturen noch nicht auf einem optimalen Stand. Es ist deshalb eine Umstrukturierung von rein quantitativem Wachstum hin zu mehr Effizienz und höherer Qualität im Gang. Ein solcher Prozess bringt auch unvermeidliche Härten mit sich. Es ist aber der einzige Weg zu einer besseren Nutzung und Verteilung der Ressourcen und damit zu einem höheren Entwicklungsstand. In dieser "neuen Normalität" der wirtschaftlichen Entwicklung hat China jedoch sowohl das Selbstvertrauen als auch die Fähigkeit, um trotz tiefgreifender struktureller Veränderungen weiterhin mittelhohe bis hohe Wachstumsraten zu erzielen.

Woher kommen dieses Vertrauen und diese Fähigkeit? Schauen wir folgende Fakten und Zahlen an: China hat fast 1,4 Milliarden Einwohner und somit einen riesigen Binnenmarkt. Mehr als 7 Millionen Hochschulabsolventen treten jedes Jahr in den Arbeitsmarkt ein. Der Urbanisierungsprozess hält an. Im Zuge dieses Prozesses kommen pro Jahr rund 20 Millionen Menschen aus ländlichen Gebieten in die Städte, was natürlich grosse Investitionsbedürfnisse einerseits und Konsumbedürfnisse andererseits mit sich bringt. Letztes Jahr erreichte der Dienstleistungssektor einen Anteil von 50,5% am BIP, 16,7 Prozentpunkte mehr als der Industriesektor. Der Beitrag des Konsums zum Wirtschaftswachstum betrug 66,4%. Damit erwies sich der Konsum als der stärkste Antreiber des Wirtschaftswachstums. Chinas BIP ist in den letzten fünf Jahren von über 7 Billionen Dollar auf mehr als 10 Billionen Dollar angewachsen. Die Devisenreserven betrugen Ende 2015 3,33 Billionen Dollar. Die durchschnittliche Sparquote der chinesischer Bevölkerung liegt noch stets über 38%. Neue Sparguthaben beliefen sich letztes Jahr auf etwa vier Billionen Yuan. Das verfügbare Einkommen pro Kopf wuchs um 7,4%, also um 0,5 Prozentpunkte mehr als das Wirtschaft als Ganzes. Zugleich zieht China nach wie vor internationales Kapital in grossem Umfang an. Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich im Jahr 2015 auf 126,27 Milliarden Dollar, ein Plus von 5,6%. Die materielle Basis Chinas ist somit robust. Das industrielle System wird zudem stetig verbessert und das Infrastrukturnetzwerk von Tag zu Tag effizienter. China hat mehr als 220 industrielle Produkte, die auf ihrem Gebiet global die Spitzenposition einnehmen. Bezüglich Hochgeschwindigkeitsbahnen rangiert China weltweit ebenfalls auf Platz eins. Ausserdem ist China die Nummer zwei auf der Welt in Bezug auf Forschungs- und Entwicklungsausgaben und die Nummer eins bei der Anzahl eingetragener Patente.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

China und die Schweiz, sowie alle übrigen Länder der Welt, befinden sich im selben globalen Dorf. Die wichtigsten Interessen und Probleme decken sich immer mehr. Man ist letztlich auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Die stabile Entwicklung Chinas ist deshalb für die ganze Welt von Vorteil. China will durch qualitatives, effizientes und nachhaltiges Wachstum seinen Beitrag zur Entwicklung der Weltwirtschaft und zum Wohlstand der Weltbevölkerung leisten. Die chinesische Regierung wird in diesem Jahr den dreizehnten Fünfjahresplan vorstellen. Es geht dabei um innovative, koordinative, grüne, offene und teilhabende Entwicklung. In diesem Sinn haben wir, China und die Schweiz, gute Gründe, unsere Freundschaft und die bilateralen Beziehungen weiterhin zu pflegen und so Win-Win-Situationen zu schaffen.

Die Entwicklung der Beziehungen zwischen China und der Schweiz ist ohne Unterstützung von schweizerischen Freunden und ohne dem Einsatz unserer Landleute hier vor Ort nicht vorstellbar. Ich möchte deshalb diese Gelegenheit nutzen, Ihnen allen meine Hochachtung und meinen zutiefst empfundenen Dank zum Ausdruck zu bringen. Und ich hoffe, dass ich in Zukunft weiterhin auf Ihre volle Unterstützung zählen kann, so wie Sie auch meine Vorgänger stets unterstützt haben. Meinerseits kann ich Ihnen versichern, dass ich alles tun werde, um gemeinsam mit Ihnen die bilateralen Beziehungen unserer beiden Länder auf ein neues Niveau zu heben.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Ich wünsche Ihnen ein frohes Chinesisches Neujahr!

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