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Ansprache von Frau Generalkonsulin MAO Jingqiu anlässlich des 66. Jahrestags der Gründung der VR China und des 65. Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der VR China und der Schweiz
2015/09/19
 

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Ernst Stocker, 

sehr geehrte Frau Vize-Kantonsratspräsidentin Karin Egli-Zimmermann,

sehr geehrter Herr Stadtpräsident Stefan Roth,

sehr geehrter Herr Gemeindepräsident Kaspar Widmer,

verehrte Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie Kolleginnen und Kollegen vom konsularischen Korps,

liebe Landsleute,

meine Damen und Herren,

Guten Abend! Ich freue mich sehr, heute mit Ihnen gemeinsam den 66. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China sowie das 65-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der VR China und der Schweiz zu feiern. Zunächst möchte ich Sie alle im Namen des Generalkonsulats der VR China in Zürich und für das Fürstentum Liechtenstein ganz herzlich willkommen heissen.

China und die Schweiz sind voneinander geographisch weit entfernt und weisen sehr unterschiedliche Gegebenheiten auf. China ist mit einer Bevölkerungszahl von etwa 1,4 Milliarden das grösste Entwicklungsland der Welt. Bereits kurz nach der Gründung der VR China haben beide Länder diplomatische Beziehungen aufgenommen, und seither gemeinsam und kontinuierlich die bilateralen Beziehungen vorangetrieben. Es stellt sich also abschliessend die Frage, welche Rolle die Schweiz in China spielen kann und weshalb die VR China zur Schweiz eine so gute und freundschaftliche Beziehung pflegt. Die Schweiz ist ein Staat mit hoher Lebensqualität. Die Schweiz ist zwar klein, aber wirtschaftlich stark, innovativ und kreativ. Die Schweiz sucht politisch die Verständigung und den Dialog.

Meine Damen und Herren!

Mit grosser Freude stellen wir fest, dass sich die Beziehungen zwischen China und der Schweiz in den letzten Jahren deutlich intensiviert haben, zwar mit zahlreichen Highlights. Am 1. Juli 2014 ist das Freihandelsabkommen zwischen China und der Schweiz in Kraft getreten. Die Schweiz ist bereits der siebtgrösste Handelspartner und das sechstgrösste Investitionsland für Chinas in Europa. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hat bei seinem Besuch im Jahr 2013 und am Anfang dieses Jahres mit der Schweizer Seite einen Konsens über die Verstärkung der Zusammenarbeit im Finanzbereich erreicht. Als eines der konkreten Ergebnisse dieses Treffens wird sich die China Construction Bank, die zweitgrösste Geschäftsbank Chinas, bald in Zürich niederlassen können. Auch die Zahl chinesischer Touristen in der Schweiz steigt stetig an. Im vergangenen Jahr haben 890'000 chinesische Touristen die Schweiz besucht. Dies ist insofern auch wichtig, als der Personen- und Kulturaustausch bei soliden bilateralen Beziehungen eine zentrale Rolle spielt.

Meine Damen und Herren! Liebe Freunde!

Der gute Stand der Beziehungen zwischen China und der Schweiz ist nicht selbstverständlich. Dass es dennoch so weit gekommen ist, hat meiner Meinung nach mindestens drei Gründe: Erstens steht die Zusammenarbeit auf einem guten Fundament. Die Wirtschafts- und Handelsstrukturen beider Länder ergänzen sich gut. Beide Länder sind aktiv im Globalisierungsprozess eingebunden. Somit ergibt sich für die Zukunft ein grosses Kooperationspotenzial auf der Basis des gegenseitigen Respekts, der Gleichberechtigung und des gemeinsamen Nutzens. Zweitens arbeiten beide Seiten aktiv an der Errichtung einer Kooperationsplattform. Bis jetzt sind allein in unserem Konsularbezirk schon sieben chinesisch-schweizerische Partnerschaften gegründet worden, mit Hilfe derer eine Reihe von pragmatischen Projekten und Programme umgesetzt werden. An dieser Stelle möchte ich Herrn Regierungspräsidenten Ernst Stocker nochmals meine Hochachtung und meinen herzlichen Dank zum Ausdruck bringen. Dank Ihrer unermüdlichen Förderung, Herr Stocker, kommen die Partnerschaften Zürich-Chongqing und Zürich-Guangdong rasch und zielstrebig voran. Als dritter Grund sind die guten Beziehungen auf menschlicher Ebene zu nennen. Zwischenstaatliche Beziehungen spielen sich nie ausschliesslich auf Regierungsebene ab, sondern müssen auch in breiten Bevölkerungsteilen wahrgenommen und verankert werden. Seit meinem Amtsantritt in der Schweiz habe ich viele Schweizerinnen und Schweizer kennengelernt, die sich für die Freundschaft beider Länder engagieren. Dies berührt mich immer wieder aufs Tiefste. Ein Beispiel hierfür ist Herr Dr. Thomas Wagner, ehemaliger Zürcher Stadtpräsident und Präsident der Gesellschaft China-Schweiz. Seit Jahrzehnten leistet er einen immensen Beitrag zur pragmatischen Zusammenarbeit zwischen China und der Schweiz in den verschiedensten Bereichen. Er weilt sogar heute noch in China. Ferner möchte ich diese Gelegenheit wahrnehmen, der Familie Daniel Müller aus Steinmaur zu danken. Seit langem setzen sie dafür ein, das gegenseitige Verständnis und die Freundschaft zwischen der Bevölkerung beider Länder zu fördern. Dies bedeutet auch, ein realistisches Bild des jeweils anderen Landes zu vermitteln. Ein anderes Beispiel: Vor Kurzem haben der chinesische Berg Emei und der Rigi in der Schweiz als Schwesterberge Steine ausgetauscht. Bei der entsprechenden Zeremonie hat eine Schweizer Musikerin, Frau Juliane Rickenmann, ihre Zuneigung zu den chinesischen Bergen und Seen auf eine berührende Weise zum Ausdruck gebracht. Aufgrund ihrer Liebe zum Berg Emei hat sie sogar ihrer Tochter den Name Emei gegeben. Das sind vielleicht nur einfache Zeichen und Gesten, aber diese sind es, welche die Menschen berühren.

Meine Damen und Herren!

In der letzten Zeit wird in der Schweiz viel über China berichtet. Dabei werden auch grosse Sorgen über die Entwicklung und Zukunft Chinas zum Ausdruck gebracht. Die VR China hat sich nach der Gründung vor 66 Jahren von einem bettelarmen Land zu einem Land mit bescheidenem durchschnittlichen Wohlstand entwickelt. China hat in nur wenigen Jahrzehnten einen Entwicklungsweg zurückgelegt, für den die Industrieländer mehrere Jahrhunderte benötigten. Gleichzeitig wird China heute jedoch auch von immer mehr Herausforderungen konfrontiert. Wie Sie wissen, hat sich das Wachstumstempo verlangsamt. Die Umweltbelastung muss dringend verringert und die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung müssen abgedeckt werden. Hier möchte ich betonen, in der Hauptsache ist die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ein Ergebnis bewusster Steuerungsmassnahmen seitens der chinesischen Regierung. Ihr Ziel ist höhere Qualität und Effizienz, um eine nachhaltige, stabile und gesunde Weiterentwicklung der Wirtschaft zu gewährleisten. Zur Zeit trägt China nach Kaufkraftparität etwa 29% zum Weltwachstum bei. Indem China sich nachhaltig, stabil und gesund entwickelt, leistet es einen höchst bedeutenden Beitrag zur Weltwirtschaft. China befindet sich momentan in einer Schlüsselphase, was die Umstrukturierung der Wirtschaft und die Vertiefung der Reformen betrifft. Das Land ist entschlossen und auch fähig dazu, die richtige Balance zwischen nachhaltigem Wachstum, den notwendigen Umstrukturierungen und der Förderung der Reformen zu finden. Dazu brauchen wir aber die Unterstützung und auch das Verständnis von Freunden und Partnern auf der ganzen Welt, inklusive der Schweiz.

Die Schweiz sieht sich zurzeit auch mit einer Reihe von Herausforderungen und Schwierigkeiten konfrontiert. Die Globalisierung schreitet voran, und damit auch die Verflechtungen zwischen den Ländern. Es ist ein Geben und ein Nehmen; es ist ein Austausch von Erfahrungen und es ist ein Lernen miteinander und voneinander.

Meine Damen und Herren!

Ohne die vielseitige Unterstützung von Schweizer Freunden aus verschiedenen Kreis wäre es unserem Generalkonsulat nicht möglich, seine Arbeit erfolgreich zu gestalten. An dieser Stelle möchte ich allen hier anwesenden Freunden meine aufrichtige Hochachtung und meinen herzlichen Dank aussprechen. Ich hoffe, dass wir in Zukunft weiterhin an einem Strang ziehen werden. Mögen diese Anstrengungen einen Beitrag bilden für die Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen.

Ihnen allen wünsche ich einen angenehmen und interessanten Abend. Vielen Dank!

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