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Ansprache der Generalkonsulin Frau Mao Jingqiu am Empfang anlässlich des 65. Jahrestages der Gründung der Volksrepublik China
2014/09/30
 

Sehr geehrte Frau Vize-Kantonsratspräsidentin Theresia Weber-Gachnang

Sehr geehrter Herr Regierungsrat Markus Kägi

Sehr geehrter Herr Regierungsrat Thomas Heiniger

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel

Sehr geehrter Herr Präsident Richard Friedl

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen vom konsularischen Korps

Liebe Landsleute

Meine Damen und Herren!

Zunächst möchte ich Sie alle im Namen des Generalkonsulats der Volksrepublik China in Zürich und für das Fürstentum Liechtenstein ganz herzlich willkommen heissen. Ich freue mich sehr, heute zu dieser goldenen Herbstzeit mit Ihnen gemeinsam den 65. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China zu feiern.

Vor drei Monaten habe ich meinen achtjährigen beruflichen Aufenthalt in Berlin beendet und gleich danach den neuen Posten als Generalkonsulin in Zürich angetreten. Die Schweiz ist für mich sowohl ein bekanntes als auch ein fremdes Land. Es ist mir bekannt, weil ich während meines Studiums an der Universität in China von meiner Deutschdozentin, die ausgerechnet eine Schweizerin ist, viel über dieses Land erfahren habe. Gelernt habe ich da z.B. über die Neutralität als ein Grundprinzip der schweizerischen Aussenpolitik, aber auch über die Legende des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell. Wie andere Chinesen auch, wusste ich natürlich von dem Schweizer Bankwesen, den Uhren und den Armeemessern. Das Land war mir gleichzeitig aber auch fremd, weil ich vor Beginn meiner hiesigen Tätigkeit nur einmal, vor drei Jahren, auf einen kurzen Urlaub in die Schweiz gereist war. Die Bergsicht, der klare See und die freundlichen Menschen in Zürich haben bei mir jetzt eine grosse Freude ausgelöst. Aber ich fühle mich auch ein bisschen entmutigt, als ich den Fernseher einschaltete und sehr wenig von dem Schwyzerdütsch des Moderators verstanden habe.

Meine Damen und Herren!

Seit kurzem läuft in China eine sehr populäre TV-Serie namens "Deng Xiaoping am Wendepunkt der Geschichte". Das Doku-Drama erzählt die Geschichte der Anfangsperiode der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik vor mehr als 30 Jahren, die das heutige China massgeblich geprägt hat. Damals litt China noch unter Armut und Not. Die ganzen zerstörten gesellschaftlichen Grundlagen mussten dringend wieder aufgebaut werden. Die Lebensbedingungen der damaligen Chinesen waren so hart, dass heutzutage meine jüngeren Kollegen oft überrascht sind, wenn sie davon hören und manches kaum glauben können. Heute hat sich China zu der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Gemessen an den Devisenreserven nimmt China mit 3990 Mrd. USD den ersten Platz in der Welt ein. Mit einem Ein- und Ausfuhrvolumen von 4160 Mrd. USD steht China auch nach diesem Massstab global an erster Stelle. Durch die Entwicklung in den Jahren seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik wurden der Lebensstandard der Bevölkerung sowie das Gewicht Chinas auf der internationalen Bühne nachhaltig erhöht. Produkte „Made in China“ sind jetzt an jeder Ecke der Welt zu finden. Allmählich können wir von Rückständigkeit und Armut Abschied nehmen und haben vollen Grund, stolz auf unser Heimatland zu sein. Trotz solcher unbestreitbaren Fortschritte müssen wir jedoch zugeben, dass uns auf unserem Weg in die Zukunft noch viele Schwierigkeiten und Herausforderungen gegenüberstehen. Da sind z.B. der wachsende Druck auf Ressourcen und Umwelt, die immer grösser werdende Schere zwischen Armen und Reichen, sowie die komplexen Probleme bei der Umstrukturierung des Wirtschaftssystems. Trotzdem vertrauen wir darauf, dass unter der Leitung der neuen Regierung der Reformprozess vertieft weitergeführt wird, dass sich wissenschaftliche Forschung und Entwicklung verstärkt zum Wohle des Landes auswirken, und dass sich der "Chinesische Traum" zur Wiederbelebung der chinesischen Nation verwirklichen lässt.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Ich bin noch nicht sehr lange in der Schweiz, bin aber schon durch den Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zur Einsicht gekommen, dass die Schweiz und China viele ähnliche Ideen bei Fragen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, und auch viele gemeinsame Interessen bei internationalen Angelegenheiten haben. Es lässt sich auch manche Ähnlichkeit bei den charakteristischen Eigenschaften der beiden Völker feststellen. Die Schweizer sind stolz auf ihre einzigartige nationale Geschichte und auf das, was sie eigenständig erreicht haben. Sie können auch stur sein in der Verteidigung dessen, was sie für richtig und gut befunden haben. Und sie haben ein waches Auge für notwendige und zukunftsfähige Entwicklungen. Die Schweiz gehört zu den ersten europäischen Ländern, die diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China aufgenommen und später auch den marktwirtschaftlichen Status Chinas erkannt haben. In den letzten Jahren haben sich die chinesisch-schweizerischen Beziehungen verstärkt, das gegenseitige Vertrauen ist gewachsen und sowohl der wirtschaftliche als auch der kulturelle Austausch werden stets mehr gesucht. Besonders erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China, welches am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getreten ist. Dies wird den bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ermöglichen, ein neues Niveau zu erreichen.

Meine Damen und Herren!

Mit Freude stellen wir fest, dass auch die Beziehungen zwischen China und Liechtenstein gegenwärtig eine gute Entwicklungstendenz aufweisen. Vor Kurzem hat China an der LIHGA, also der Liechtensteinischen Industrie-, Handels- und Gewerbeausstellung, als Gastland teilgenommen. Chinas Teilnahme hat die Aufmerksamkeit von Liechtensteinern aus verschiedenen geschäftlichen und auch nicht-geschäftlichen Kreisen auf sich gezogen und hat sogar eine Art von China-Welle ausgelöst.

Liebe Freunde!

Staatliche Beziehungen spielen sich nie ausschliesslich auf Regierungsebene ab, sondern müssen auch in breiteren Bevölkerungsteilen wahrgenommen und verankert werden. Ich freue mich sehr darüber, dass in unserem Konsularbereich ein paar Kantone und Gemeinden im Mittelland sowie in den Bergregionen eine Partnerschaft mit China aufgenommen haben, so z.B. die Stadt Zürich und Kunming, der Kanton Aargau und die Provinz Shandong, Rigi und Emei, sowie die neu geschlossenen Partnerschaften zwischen dem Kanton Zürich einerseits und der Stadt Chongqing und der Provinz Guangdong andererseits. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle die grosse Unterstützung von Regierungsrat Thomas Heiniger und Regierungsrat Markus Kägi, die es ermöglicht hat, die Beziehungen zwischen dem Kanton Zürich und der Provinz Guangdong so rasch aufzubauen.

Seit meiner Ankunft in die Schweiz habe ich ausserdem viele beeindruckende Geschichten über Schweizer in China gehört. Ein schweizerisches Ehepaar, sie heissen Juzi und sind beide Ärzte, haben sich vor mehr als zehn Jahren im tibetischen Gebiet der Provinz Qinghai niedergelassen. Sie behandeln dort – auf einem Hochplateau inmitten einer rauen Natur – arme Menschen aus der Region. In der Stadt Guiyang – das ist die Hauptstadt von Guizhou, einer multiethnischen Provinz in Südchina – bemühen sich ein paar Schweizer Fachleute darum, bei der Verankerung eines ökologischen Bewusstseins mitzuwirken. Es geht darum, die bei Entwicklungsprozessen immer wieder gemachten Umweltfehler zu vermeiden und nicht erst zu handeln, nachdem der Umweltschaden schon gross ist. Es sollen, mit anderen Worten, die seit jeher grünen Berge und das saubere Wasser unversehrt an die nächste Generation weitergegeben werden können.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Ich meine, das ist wie ein Miniaturbild der gegenwärtigen chinesisch-schweizerischen Beziehungen. Kein Fleiss, kein Preis. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Beziehungen zwischen China und der Schweiz unter der Bemühungen beider Seiten zum Guten entwickeln werden, was verschiedene pragmatische Vorteile für die Bevölkerungen beider Ländern mit sich bringen kann. Das Generalkonsulat wird sich unentwegt dafür einsetzen, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen China und dem Konsularbezirk in verschiedenen Bereichen zu fördern, die rechtmässigen Interessen von chinesischen Privat- und Rechtspersonen in der Schweiz und Liechtenstein zu schützen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich allen Freunden herzlich dafür danken, dass sie sich mit so grosser Anstrengung und Leidenschaft für die Intensivierung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen China einerseits und der Schweiz und Liechtenstein andererseits einsetzen. Insbesondere möchte ich hierbei zwei Institute erwähnen, und zwar das Fremdenverkehrsamt der VR China in Zürich und die chinesische IT-Firma Huawei. Beide haben grosse Beiträge zum gegenseitigen Verständnis und zur Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit geleistet. Meine Damen und Herren, wir freuen uns weiterhin auf Ihre tatkräftige Unterstützung und Mitwirkung in den kommenden Monaten und Jahren.

Zum Schluss schlage ich vor,

auf den 65. Geburtstag der VR China,

auf die vielversprechende Zukunft der chinesisch-schweizerischen und chinesisch-liechtensteinischen Beziehungen,

und auf das Wohl und die Gesundheit aller Anwesenden anzustossen!

Gan Bei!

Vielen herzlichen Dank!

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